Liebe Leserinnen und Leser,

wer hätte letztes Jahr um diese Zeit gedacht, dass wir als gesamte Weltbevölkerung von einem doch so kleinen Virus fest in der Hand gehalten werden. Ein Virus, von dem wir immer noch so wenig wissen und das wie kaum eine andere Gefahr in den letzten Jahren uns als Gesellschaft, als Menschheit, zu spalten droht.

Dabei wäre es doch gerade jetzt so wichtig zusammenzustehen, auch wenn genau das ja infektiologisch eher schwierig, weil gefährlich ist. Aber es geht ja auch um das innere Zusammenstehen. Den Zusammenhalt. Die Fürsorge um den anderen. Den, der nicht so wirklich für sich sorgen kann, weil er alt und krank oder jung und krank ist. Gefährdet durch seine eigentliche Lebenssituation und - neu dazu - noch zusätzlich durch die Pandemie.

Aber vielleicht ist das für uns nun auch eine Chance, uns auf die wirklich wichtigen Dinge zu besinnen. In vielen Teilen der Erde hat sich gezeigt, dass der Stillstand der Industrie auch zu einer Renaturierung und Erholung der Umwelt geführt hat. Der Preis dafür ist aber auch sehr hoch gewesen. Arbeitslosigkeit, Verlust, Armut u. a. sind teilweise Folgen des Stillstands, sodass die Wahrheit, wie es immer so schön heißt, irgendwo dazwischen liegt. Aber vielleicht ist das vom Leben aktuell geforderte Innehalten nicht nur Stillstand, sondern auch eine dringend notwendige Pause, nach der es dann wieder weitergeht. Kein Ende, sondern Erholung vom schnellen und stetigen Wachstum und Wechsel, der uns ja letztlich auch in diese Situation gebracht hat. Ein Weg vom reinen Nutzen und Hin zum schonenden Umgang.

Dabei gilt es aber wie bei jeder Wanderung auch auf die zu warten und die zu schonen, die ohnehin schon langsamer und belasteter unterwegs sind. Die Schwachen und Kranken oder die, die drohen, schwach und krank zu werden. Niemand sollte vergessen werden in dieser Zeit. Wir müssen eben zueinander und beieinander stehen. Und wenn ich sonst auch so gerne sage, dass wir auch immer wieder auf uns selbst schauen müssen, so ist es eben jetzt, heute und hier wichtig, auf unser Umfeld zu achten. Eines muss uns klar sein: Online bekommen wir keine wirkliche Berührung, keine Umarmung, keinen Händedruck und keinen Kuss. Virtuell ist einfach nicht das echte Real. Leben geht nur offline. Achten wir auf die anderen wie auf uns.
Das ist doch auch, was uns diese Weihnachtszeit lehren möchte. Nächstenliebe.

Herzlichst Ihr Dr. Jörg Cuno

 

Jetzt entdecken