Liebe Leserinnen und Leser,

„An guten Tagen braucht es kein Hier und Jetzt.“ Ich höre dieses Lied von Johannes Oerding in den letzten Tagen immer und immer wieder, und mir werden so viele Patientengeschichten bewusst, in denen die Betroffenen mir gegenüber klar formulieren, dass sie
schlechte Tage immer als viel intensiver und „schlechter“ wahrnehmen als in der Zeit, in der sie gesund waren. Gleiches würde aber auch für die guten Momente gelten. Diese wären weitaus positiver, kräftiger und lebendiger.

Auf der einen Seite ist das ja ganz schön, dass man in der Krankheit noch gute Momente erleben kann, erleben darf. Auf der anderen Seite macht es aber auch bewusst, wie stark wir in der Zeit, in der es uns – auch gesundheitlich – gut geht, unsere Gefühle auf ein Maß des Erträglichen zu nivellieren scheinen. Um das Schlechte gar nicht so ranzulassen, scheint es, dass wir das Gute am Ende auch gar nicht in seiner ganzen Kraft und Farbe und Schönheit wahrnehmen. Die Patienten lehren mich jeden Tag aufs Neue, das Leben zu leben und auszuschöpfen. Es zu genießen. Im Guten. Im Einklang mit dem Leben drumherum. Aber auch in Demut und Dankbarkeit. Ich wünsche Ihnen einen guten, einen schönen Sommer. Voller Energie fürs Erleben. Aber auch für das Zurücknehmen und die Ruhe.

Herzlichst Ihr Dr. Jörg Cuno

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